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Die Kormoranmanagement-Initiative der EIFACC – auf dem Weg zum Abstellgleis?

Die Kormoranmanagement-Initiative der EIFACC – auf dem Weg zum Abstellgleis?

Wie berichtet sehen wir in der Initiative «European Cormorant Management Plan» (CMP) der EIFAAC (European Inland Fisheries and Aquaculture Advisory Commission) eine sehr gute Basis, um tatsächlich und zeitnah einen effektiven Fischschutz vor Kormoranfraß zu etablieren. Dazu müssten nach unserer Überzeugung zwingend noch einige Änderungen/Ergänzungen eingebaut werden, die vom Deutschen Fischereiverband (DFV) und unserem Verein Fischschutz contra Kormoran (FScKorm bzw. FPcC) vorgelegt, aber bislang nicht übernommen worden waren.

Wir mussten im Oktober dann melden, dass NGOs (Non Government Organisations) aus dem Natur- und Vogelschutz den Stopp der EIFAAC CMP-Initiative verlangten.

Da dies angesichts der diversen und schweren Fraßschäden inzwischen schlichtweg unverantwortlich ist, reagiert, vom DFV vorbereitet, der europäische Dachverband Europêche (ASSOCIATION OF NATIONAL ORGANISATIONS OF FISHING ENTERPRISES IN THE EU) unmissverständlich:

Europêche schreibt die Präsidentin der EU-Kommission, Frau von der Leyen am 17.10.2025 an. Uns liegt dieses Schreiben vor. Da es bisher nicht „offiziell“ im Internet präsent ist, verzichten wir darauf, es hier zu publizieren. Europêche spricht Klartext, beschreibt die Notwendigkeit des CMP, die nachzubessernden Aspekte, nicht zuletzt die enorme Schadenshöhe (dreistellige Milliarden europaweit, durch die Hebelwirkung des Versagens der Wasserrahmenrichtlinien). Überzeugend und ungemein wichtig ist, das Europêche die ganz offensichtlich ideologisch motivierten Bestrebungen starker Kräfte bei den NGOs sowie – erkennbar und fatal zugleich – auch in der EU-Kommission selbst anspricht. Europêche fordert deshalb, das Kormoran-Thema zur Chef-Sache zu machen.

Dieses Schreiben von Europêche ist nach unserer Überzeugung hervorragend, jeder Satz ist lesenswert. Die wenigen aber sehr bedeutenden Änderungsforderungen an den CMP sind zwingend.

Derweil werden mehrere andere Aktivitäten der EU-Kommission (oder von ihr befördert) zum Kormoran-Konflikt bekannt, die allesamt keinen Bezug zu der EIFAAC-Initiative und dem solide erarbeiteten CMP-Dokument nehmen und in keiner Weise der Dramatik und der Bedeutung des Ganzen gerecht werden.

  • Ein Treffen der „Expert Group on the Birds and Habitats Directives“ (NADEG) am 25. November 2025 im Zuge der abschließenden Überarbeitung der  „Guidance on the general system of protection of bird species under Articles 5 and 9 of the Birds Directive (2009/147/EC)“. Das Ganze Vorhaben – ohne jeden Bezug zu den CMP-Arbeiten – ist in keiner Weise geeignet, die Kormoranfraßschäden wie zwingend notwendig und bereits vom EU-Parlament wiederholt unmissverständlich gefordert, zu reduzieren.
  • Ein Treffen mit den Mitgliedsstaaten organisiert von der EU-Kommission, GD Umwelt, am 28. Oktober 2025. Wir kennen kein Protokoll, allerdings Präsentationen der Universität Aalborg für das Treffen: „Structured dialogue with Member States on managing Great Cormorant conflicts“.  Graphisch hervorragend, inhaltlich völlig harmlos, verwirrend, ohne Erwähnung des CMP, der Lage und heutigen Beweislage in keiner Weise angemessen (leider nicht im Internet verfügbar).

 

Nach Kenntnis dieser Einladung schreibt unser Verein unverzüglich den Bundeskanzler an, Kopien an Umweltminister Carsten Schneider, Landwirtschaftsminister Alois Rainer sowie einige einschlägig engagierte Abgeordnete: Ziel ist, ab sofort und zwingend schon für diese Besprechung der EU-Kommission beim Kormoran keine ideologische Argumentation mehr zuzulassen und grundsätzlich auch keine Aktivitäten zu dulden, die die solide Dokumentation der Lage und der Fraßschäden durch die EIFAAC nicht berücksichtigt.

 

Dieser «European Cormorant Management Plan» (CMP) der EIFAAC ist für die Bundesregierung nach dem CDU-Antrag aus März 2024 und der nachfolgenden Expertenanhörung am 26.06.2024 eine Steilvorlage sondergleichen:

Jedes Infragestellen der Kausalitäten, Fordern weiterer Beweise, Herunterspielen der diversen Schäden ist fortan unseriös, unverantwortlich und schlichtweg nicht weiter zu dulden.

Wie Europêche schreibt, ist unverständlich und traurig zugleich, wie Natur- und Vogelschutzorganisationen ganz offensichtlich an breiter Front bisher derart verantwortungslos mit der aquatischen Fauna, mit Biodiversität und in Folge auch Nahrungsmittelsicherheit, -souveränität bis hin zu Arbeitsplätzen umgehen. Beispiele gibt es zuhauf durch lokale/regionale Vertreter in der Presse, wenn es um den Kormoran geht. Wie kann das sein?

Auch für die EU-Kommission wird dieser CMP mit den wichtigen von Europêche eingebrachten Ergänzungen – wie eine Metastudie – bei der Implementierung einer wirksamen Lösung des Kormoranproblems einen Eckpfeiler darstellen. Alles andere wäre ein Skandal!

 

Was ist zu tun? Unsere Verbände, auch wir, der FScKorm, vor allem aber das EU-Parlament mit den zum Kormoran federführend engagierten Abgeordneten, müssen den CMP durchsetzen und zum Erfolg führen. Das gilt zwingend auch für die Anwälte der Fischfauna innerhalb der EU-Kommission, zuvorderst in der DG Environment, dort, ebenfalls zwingend, die für den Erfolg der Europäischen Wasserrahmenrichtlinien verantwortlichen Akteure.

Alle Bemühungen, diese EIFAAC-Initiative doch noch zu stoppen, entbehren einer seriösen Grundlage. Wie kann es auch anders sein, wenn Fakten und nicht Ideologie zählen?

 

Große Sorgen um die Initiative der EIFAAC für eine europaweites Kormoranmanagement

Große Sorgen um die Initiative der EIFACC für ein europaweites Kormoranmanagement

Wie berichtet setzen wir in die EIFAAC-Initiative (European Inland Fisheries and Aquaculture Advisory Commission) zur längst überfälligen energischen Reduktion der europaweiten Kormoranpopulation große Hoffnungen. Nach Kräften hatten wir auch zugearbeitet.

Inzwischen ist eine neue Version des «European Cormorant Management Plan» (CMP)  veröffentlicht, dazu eine „Feedback Table“ mit eingegangenen Kommentaren/Änderungsvorschlägen:

Aber, aber: Es ist zu vermuten, dass wieder einmal starke bremsende Kräfte einen wirksamen Fischschutz verhindern, zumindest vertagen. Dafür gibt es im vorliegenden Dokument einige klare Anhaltspunkte. Für uns ist ein sehr wichtiges Indiz, dass unsere Anregungen – trotz des guten, vielversprechenden und einvernehmlichen Austauschs mit den drei Autoren – allesamt völlig überraschend doch nicht übernommen worden sind. Einige unserer Beiträge sind immerhin dokumentiert in der o.a. Feedback Table bei Germany / FPcC (FishProtection contra Cormorant).

Dort in der Feedback Table steht vermutlich der entscheidende Satz, der das Potenzial hat, die gesamte Initiative wirkungs- und wertlos werden zu lassen:

„Furthermore, it is important to work together to reduce cormorant predation pressure on the fish stocks and achieved the balanced outcomes to ensure all parties are working in harmony.“

So wird angesichts der unverkennbar ideologischen Einstellung und dem starren, unverantwortlichen Handeln der „Gegenseite“, ganz sicher wieder kein Durchbruch erzielt – und das trotz der nun, im Jahr 2025, gegebenen erdrückend klaren Beweislage über die diversen und schweren Fraßschäden. Es ist unfassbar, dies heute wieder zu beobachten – so wie von Beginn des Skandals an, auf allen Ebenen und wie, nicht zuletzt durch uns, zig-fach berichtet worden war. 

Vielleicht will die große, bedeutende FaO der Vereinten Nationen, die gewiss ständig an diversen Fronten mit Naturschutzverbänden ringt, diesen Kampf für die Fischfaunen durch ihre Unterorganisation EIFAAC nicht aufnehmen, so begründet und notwendig es auch sein mag. Der Fischschutz und die Wiederherstellung der aquatischen Biodiversität in zig Gewässern scheinen dann erneut faktisch auf dem Opferaltar des ideologischen Naturschutzes zu landen.

In einem eigenen Beitrag werden hier alsbald unsere eingebrachten Vorschläge veröffentlicht, die leider, leider in dem aktuellen Entwurf nicht enthalten sind. Es ist nach unserer Überzeugung tatsächlich unverantwortlich, dass diese teils gravierenden Aspekte den Entscheidern aus Politik und Regierungsverantwortlichen offensichtlich vorenthalten werden sollen.

Wenn dieser Plan für ein Kormoranmanagement nicht entscheidend nachgebessert wird, muss es anderweitig gelingen, die Entscheider von EU-Parlament, vor allem die Autoren  des Offenen Brief an die EU-Kommission , und natürlich die Schlüsselpersonen in der EU-Kommission selbst über diese schwerwiegenden Unzulänglichkeiten dieses CMPs zu informieren. Das wird alles andere als einfach.

 

Die Initiative für ein europaweites Kormoranmanagement der EIFAAC

Die Initiative für ein europaweites Kormoranmanagement der EIFAAC

Die EIFAAC (European Inland Fisheries and Aquaculture Advisory Commission), angesiedelt unter dem Dach der Food and Agriculture Organization der United Nations, hat eine breit angelegte europaweite Initiative wegen der enormen und diversen Kormoranfraßschäden ins Leben gerufen.  Ziel ist, einen «European Cormorant Management Plan» (CMP) zu entwickeln.

Eine gute, aktuelle kurze Schilderung dieser wichtigen und vielversprechenden Initiative findet man bei dem DAFV (Deutschen Angelfischer-Verband e.V.)

Unser Verein bringt sich nach Kräften ein: Wir haben an den drei bisher durchgeführten Konferenzen online teilgenommen und mehrmals schriftlich zugearbeitet, vor allem durch u.E. entscheidend wichtigen Ergänzungen der bisherigen Entwürfen des CMP.

Man muss feststellen, dass es aus Deutschland nur wenig Input zu diesem für unsere geschundenen Fischpopulationen von Flensburg bis Konstanz so vielversprechende Projekt gibt. Neben den Wortbeiträgen zu den Konferenzen offenbart das z.B. auch ein Blick auf die veröffentlichte „Feedback Table“ zum 1. Entwurf.

Tragisch, von womöglich entscheidender Bedeutung und schwer zu bekämpfen/abzustellen ist jedoch das Folgende:

Es ist unverkennbar, wie Naturschutzorganisationen zu dem CMP machtvoll wirken, um die Problematik erneut, trotz der heute unbestreitbar klaren Faktenlage, kleinzureden, das Verfahren wo möglich, etwa durch formale oder verfahrenstechnische Argumente zu behindern/abzuwürgen. Akribisch werden ausgewählte Literaturstellen, die einem Berg einschlägiger Referenzen gegenüber stehen, dem Entwurf aufgezwängt. Vorgeschlagene „weichspülenden“ Formulierungen entwickeln ein verharmlosendes Bild – in einem Papier der EIFAAC! Hier scheinen Stäbe idologisch eingestellter NGO-Vertreter auf die drei erkennbar bestens informierten und motivierten CMP-Autoren Prof. Dr. Ian Cowx (Universität Hull), Dr. Niels Jepsen (DTU Aqua) und Dr. Raymon Van Anrooy (EIFAAC) zu treffen. Fatal scheint uns, dass die Vertretung der EU-Kommission, Generaldirektion Umwelt, dort der für aquatische Biodiversität zuständige Bereich in Übereinstimmung mit der Gruppe der Vogelschützer gegen einen zielgerichteten wirksamen Fischschutz eingestellt ist. Erkennbar ist deren Verantwortung für eine gesunde aquatische Lebensgemeinschaft, Artenschutz, Biodiversität und Grundlagen unserer natürlichen Nahrungsmittel nicht ausgeprägt – im Vergleich zum völlig unbegründeten, überzogenen Schutz der Avifauna.

Angesichts der heute vorliegenden Nachweise über immense, diverse und folgenschwere Fraßschäden des Kormorans – ökologischer und ökonomischer Art – ist dies einfach unfassbar! Wie verantwortungslos sind diese Kräfte?

Wie soll also ein derartiger Plan Politiker, Entscheider, die Öffentlichkeit überzeugen, wie soll dieser CMP die Hürden Europaparlament, Europarat und EU-Kommission nur nehmen?

Alles erinnert an das schon Jahrzehnte lange fatale und vermutlich bislang allesentscheidende Herunterspielen der Kormoranproblematik durch die Europäische Kommission, wie sie bereits Dr. Franz Kohl (†) immer wieder anprangerte, so im März 2013:

Auch die klaren Beschlüsse des Europarlaments vom 12. Dez. 2008, dem 12. Juni 2018 und dem 4. Okt. 2022 sollen wohl erneut einfach missachtet werden! Ist das nicht strafbar?

Wir werden alles tun, dieser Initiative des «European Cormorant Management Plan» (CMP) zu befördern. Hoffnung macht, dass die Vernetzung mit energisch und motiviert arbeitenden Mitstreitern zunimmt: Wenige, aber Deutschland-weit. Das kann insgesamt Früchte tragen. Am 17. Juni 2025 wurden unsere Änderungs-/Ergänzungsbeiträge zum 2. Entwurf des CMP samt vorausgestellter kurzer klarer Kommentierung fristgerecht an EIFAAC übersandt.

Hier noch die Verweise auf drei aktuelle Dokumente dieser CMP-Initiative:

Zu gegebener Zeit werden wir an dieser Stelle auch alle unsere Schreiben und Eingaben zur Initiative veröffentlichen; hier nur ein schon etwa älteres: Schreiben FScKorm an EIFAAC vom 28. Feb. 2025.

 

Erfreulich und überraschend: Abgeordnete des Europaparlaments haben am 2. Juli 2025 einen Offenen Brief an die EU-Kommission gerichtet und mit Bezug auf diese EIFAAC-Initiative ebenfalls ein umgehend wirksames Kormoran-Management eingefordert.

 

Anhörung

Experten-Anhörung im Fischereiausschuss des Europäischen Parlaments

Das Europäische Parlament hatte wiederholt klare Beschlüsse gefasst – zuletzt im Juni 2018 – und die EU-Kommission aufgefordert, die Kormoranbestände „mit allen Mitteln drastisch zu reduzieren.“ Geschehen war nichts, die Kommission hatte das immer ausgesessen!

Jetzt, am 11. Mai 2022, hatte das Parlament eine Anhörung von Experten angesetzt. Im Fokus stand die Betroffenheit der Fischzucht, die Beweisaufnahme beleuchtete aber selbstverständlich zugleich die Last auf den natürlichen Gewässern und die Dramatik für die Artenvielfalt.

Niels Jepsen stellte Untersuchungsergebnisse aus Dänemark vor, die den enormen Fischfraß dort belegen. Vieles, vor allem die Schwere der Fischverluste, gelten analog europaweit, wenn sich auch die betroffenen Fischarten und die Zeitperioden der Einflüge unterscheiden. Die Folien seines Vortrags sind sehr beeindruckend.

Bitte schauen Sie hinein, lesen Sie, auch wenn in Englisch, etwa:

  • von 10000 markierten Jungaalen (eel) wurden nachweislich in einem Jahr 40 – 50% aufgefressen
  • alle markierten Flundern einer Untersuchungsreihe, 4000 Tiere, waren in 2 Wochen verschwunden
  • 40 – 50% der markierten Smolts (Junglachse)
  • in einem Äschen-Flussabschitt: von 25 markierten Äschen (grayling) überlebten den Winter nur 2; die Fischbiomasse ging dort mit dem Kormoran-Überfall um 80% zurück
  • Zahlengerüst Kabeljau/Dorsch (cod) in der westl. Ostsee: Der Zuwachs wird auf 4-17 Million Fische geschätzt, die Hochrechnung des Kormoran-Fraßes auf 15 Million!

Unser Fazit: Eindeutig dieselbe Dramatik wie bei uns in Mitteleuropa, unfassbar – ein riesiger Skandal!

Auch der Vorsitzende der Kormoran-Kommission des DAFV, Stefan Jäger, war als Referent eingeladen: Eine ebenfalls sehr lesenswerte Präsentation.

Von BirdLife vertrat eine Referentin die ornithologische Seite. Sie betonte die Stabilisierung der Kormoran-Population in Gesamteuropa und verschanzte sich hinter der bestehenden Rechtslage, die der Vogelart bekanntlich einen hohen Schutzstatus bietet – alles nichts Neues. Eine Anmerkung: Die Dame differenzierte nicht zwischen den Unterarten carbo und sinensis – der Taschenspielertrick, um den sinensis aus dem Verdacht des Neozon zu nehmen, also eines Aliens wie z.B. dem Waschbären!

Und jetzt? Die anschließenden Wortmeldungen der Europa-Abgeordneten nach allen sechs Vorträgen ließen keinen Zweifel: Die Dramatik war überdeutlich geworden.

Sie wissen um die Erkenntnisse unseres Vereins über den »Naturschutz«, vor allem den amtlichen in der Landesverwaltung NRWs, der die Problematik leugnet, dramatische Schäden aus ideologischen Gründen hinnimmt und schwere Schuld auf sich lädt. Unsere Web-Seiten sind voll davon, wir sprechen zurecht von dem Kormoran-Skandal.

Auf der Europäischen Ebene spiegelt sich das Bild offenbar, auch hier müssten längst Staatsanwaltschaften gegen die Verantwortlichen in der Europäischen Kommission eingeschritten sein – ohne nimmt das kein Ende.

Hier der Link zum Streamen des gesamten Hearings, wenn gewünscht mit Simultanübersetzung.