Wiederansiedlung des Lachses (salmo salar) im Rheinsystem

Unser Verein ist erst seit wenigen Jahren darauf hingewiesen worden, dass die aufwändigen und sehr teuren Förderprogramme „Lachs 2000“ oder „Lachs 2020“ und all die mit Herzblut investierten ehrenamtlichen Engagement ebenfalls an der Kormoran-Prädation scheitert. Es geht um die im Frühjahr abwandernden Smolts, die auf ihrer Reise flussabwärts in die Nordsee nachweislich zu 90% und mehr weggefressen werden, daran besteht inzwischen kein Zweifel mehr.

Da die Wiederansiedlung des Rheinlachses in der Öffentlichkeit sehr deutlich wahrgenommen wird und damit das Bewusstsein für den gesamten Kormoran-Skandal und die dafür Verantwortlichen gestärkt wird, soll diesem Themenkomplex hier künftig mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Es ist müßig zu erläutern, dass die Naturschutzverbände und der amtliche Naturschutz mit nachgeordnetem amtlichem Fischereiwesen auch diese Problematik kleinredet oder gar leugnet und andere Ursachen für die ausbleibenden Erfolge wider besseren Wissens benennen. Verlässliche und fundierte Analysen veröffentlichte hingegen der Verein Der Atlantische Lachs e.V., so etwa in einer Presseinformation vom 20.05.2016. Auch der Beitrag von Prof. W. Steffens „Kormorane gefährden das Wiederansiedlungsprogramm des Lachses im Rhein“ in Fischer&Teichwirt 1/2017 S. 23 ff zeigt die tatsächliche Situation nüchtern und klar auf. Im Folgenden werden Ausschnitte aus diesen beiden Quellen zitiert, selbstverständlich entsprechend gekennzeichnet.

Eine zentrale und fatale Rolle bei der Wiederansiedlung spielt die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR), es ist unglaublich und skandalös, womöglich auch längst nicht alles gesetzeskonform.

„Die IKSR benutzt diesen charismatischen Fisch zwar als Vorwand zur Erreichung ökologischer Ziele, zur Erhaltung von Arbeitsplätzen, Finanzierung von Forschungsvorhaben usw. Die tatsächliche Wiederansiedlung des Lachses aber liegt nicht im Interesse der sie tragenden nationalen Behörden. Dies geht zweifelsfrei aus den Reaktionen auf die von uns (dem Lachsverein) vorgelegten Erkenntnisse zu der, auf Grund ausbleibender Rückkehrer seit 20 Jahren fehlgeschlagenen Etablierung auch nur einer sich selbst erhaltenden Lachs-Population im Rheinsystem hervor. Die tatsächliche Wiederansiedlung des Lachses aber liegt nicht im Interesse der sie tragenden nationalen Behörden.

Als Fazit bleibt: Beinahe allen berufsamtlich mit dem Lachs Beschäftigten ist der Fisch und seine Wiederansiedlung in lebensfähigen oder gar nutzbaren Populationen völlig gleichgültig. Als Gewissensberuhigung und Begründung für ihren vorauseilenden Gehorsam gegenüber den Vogelschützern dient ihnen, dass sie ja „so viel für die Natur tun können“ egal ob der Lachs kommt oder nicht.

Diese Pervertierung der phantastischen europäischen Idee aus der Zeit vor der invasiven Ausbreitung des Kormorans, die Wiederansiedlung des Lachses im Rheinsystem in überlebensfähigen Populationen als Grundlage und Erfolgsmaßstab für die zu diesem Zweck notwendigen ökologischen Verbesserungen der Gewässer zu machen, dürfen wir nicht weiter zulassen.“

Wenn Sie glauben, die Autoren oder wir würden hier nun doch übertreiben und den Boden der Tatsachen verlassen, dann irren Sie. Alles dies ist aber nur logisch und passt exakt zu unseren Enthüllungen über die durch Kormoran-Prädation entstandene Situation von Döbel, Äsche, Forelle, Nase, Barbe, Aal und Co landauf, landab. Auch viele der Verantwortlichen sind identisch und/oder eng miteinander vernetzt.

Bei Prof. Steffens ist weiters nachzulesen: „Erste Besatzmaßnahmen wurden im Flusssystem des Rheins im Jahr 1988 durchgeführt. Seit dem sind jährlich durchschnittlich 1-3 Millionen Junglachse ausgesetzt worden. … Bei dem hohen Besatz, der Jahr für Jahr mit beträchtlichem finanziellem Aufwand und großem persönlichen Einsatz ehrenamtlicher Helfer vorgenommen wird, kann die Zahl der rückkehrenden adulten Lachse keinesfalls befriedigen.“

Und der Lachsverein schrieb: „Trotz großer politischer Willenserklärungen, fester Verpflichtungen innerhalb der IKSR, .zig Millionen an Steuern und Abgaben in die Renaturierung der Gewässer investierter Euro und nicht zählbarer ehrenamtlich geleisteter Arbeitsstunden tritt die Wiederansiedlung des Lachses in Deutschland entgegen offizieller Verlautbarungen und Erfolgsmeldungen seit mehr als 15 Jahren auf der Stelle. Seit Jahren mahnen wir deshalb mit anderen Engagierten eine ehrliche und umfassende Analyse der Ursachen. Dabei ist die überwältigende Beweislage für die Kormoranprädation als Ursache des Scheiterns hier bei uns, sogar durch eigenen Untersuchungen (s.u.) ja genauso gut bekannt wie andere, erfolgreiche Projekte in Europa. … Oder in Dänemark, wo man nach ersten Misserfolgen das Problem seit 2002 unvoreingenommen analysiert hat und es zumindest örtlich einzudämmen versucht, indem neben gezielten Eingriffen in Brutkolonien zur Bestandsreduzierung des Kormorans nahe der Lachsgewässer großzügige Allgemeinverfügungen zur letalen Vergrämung entlang der Brut- und Wandergewässer und während der Smoltabwanderung erlassen werden. … Der Erfolg sind Rückkehrerzahlen allein an der Skjern Au von 5 bis 6000 Lachsen pro Jahr bei weniger als einem Zehntel der Besatzzahlen am Rhein und ein Selbstrekrutierungsgrad von mittlerweile über 60%. Werte, die bei uns wie Nachrichten aus dem Wiederansiedlungsparadies klingen.“

Um die Dimension des hier geschilderten zu verdeutlichen, sei ein weiteres Zitat zum Rheinlachs gestattet, entnommen aus Siegfried Darschnick in Fischer & Teichwirt 05/2017 S. 186 f.:

„… Dabei handelt es sich um einen Skandal, der den Vorgängen um den Berliner Flughafen um nichts nachsteht, denn, und das kann gar nicht laut genug gesagt werden, in vielen Gewässern, allen voran Sieg, Wupper, Dhünn, Ahr und Saynbach könnte und müsste es längst eine ganz andere Realität mit vitalen Populationen hunderter und tausender Lachse geben!“

„Was ist zu tun“ gemäß Lachsverein in seiner Pressemitteilung:

  1. Einrichtung einer unabhängigen professionell besetzten Koordinations-, Beratungs- und Forschungsstelle aller Wiederansiedlungsinitiativen im Rheinsystem, Zuständigkeit der IKSR ausschließlich für Gewässerzustand.
  2. Sofortiger ganzjähriger Schutz aller Lachs-Aufwuchsgewässer durch letale Vergrämung in beiderseitigen Streifen von mindestens 500 m.
  3. Sofortiger, amtlich organisierter und finanzierter Schutz der Smolts während der Abwanderungszeit von Mitte März bis Anfang Juni entlang der gesamten Wanderroute bis vor die Mündung des Rheins in die Nordsee (Haringvliet, Nieuwe Waterweg) durch letale Vergrämung mit Dauerpräsenz an den Gefährdungs-Schwerpunkten wie den Mündungen in den Rhein, Wehranlagen, Kormoranbrutkolonien, größeren Schlaf-/Rastplätzen etc..
  4. Unterbindung aller Neugründungen von Brutkolonien entlang der Lachsgewässer und des Rheins“.
  5. Reduzierung des Bruterfolgs in den bestehenden Brutkolonien durch Einölen der Eier.
  6. Erarbeitung und Umsetzung eines Kormoranmanagementplans incl. der Durchzügler und Überwinterer im Rahmen der EU.
  7. Lückenloses Monitoring der verbleibenden Kormoranprädation und der weiterhin bestehenden Mortalitätsfaktoren (Gänsesäger, Raubfische, Wasserkraft, illegales Angeln, Fischerei etc.).
  8. Feststellung der tatsächlichen Ozeansterblichkeit unter Berücksichtigung der Herkunft der Teilpopulationen (Eignungsprüfung).
  9. Überprüfung der Einnischung der Teilpopulationen (Auf- und Abstiegszeiten, Temperaturtoleranz, Naturbruterfolg, Konkurrenzfähigkeit), Optimierung der Aufzucht – und Besatzstrategien.
  10. Festlegung und Überwachung von Zielgrößen für die Populationsentwicklung des Lachses einschließlich Schwellen und Quoten für die angelfischereiliche Nutzung in den einzelnen Wiederansiedlungsgewässern.