2016

Sommer/Herbst 2016

Mehrere der gut informierten Angler und Naturschützer hatten im Sommer 2015 Stellungnahmen zu geplanten kostenintensiven wasserbaulichen Maßnahmen auf der Grundlage der europäischen Wasserrahmenrichtlinien abgegeben: „Öffentlichkeitsbeteiligung zum WRRL-Bewirtschaftungsplan 2016 – 2021“ nannte sich das Ganze. Hier noch einmal die Stellungnahme unseres Vereins zu den von den Verfassern ganz offensichtlich bewusst ausgeklammerten Schäden durch den Kormoran. Erst im Juli 2016 ging bei unserem Vereinsvorsitzenden nun die Antwort, eine ministerielle „Synopse“ mit dem Ergebnis der Prüfung und einer kurzen Erwiderung, ein. All diejenigen, die über die Kormoranproblematik gut informiert sind, etwa auch über unserer Web-Seiten, werden nicht glauben können, dass diese „Synopse“ von ministeriellen Experten erstellt wurde! Dennoch ist diese Antwort bereits durch den Umweltausschuss und die Ministerialverwaltung abgesegnet worden – und das schon im Herbst 2015.

Unser Verein lässt sich das nicht bieten, geht gegen den oder die Verfasser des Papiers vor und wandte sich später an alle Wasserverbände NRWs . Bitte lesen Sie dieses Rundschreiben samt Anlage genau, es geht um Bedeutendes. Unsere Adressaten, also die Wasserverbände, sind nämlich die ausführenden Organe, deren Arbeit und deren Investitionen zugunsten der Gewässerökologie und unserer Fischpopulationen von dieser ministeriellen Bewertung entscheidend konterkariert werden. Es ist eigentlich nicht vorstellbar, dass nur der FcK dieses erneute skandalöse ministerielle Fehlverhalten, das sich nicht wirklich mit Unwissenheit oder Fahrlässigkeit der Verfasser begründen lässt, aufdeckt, öffentlich macht und auch nach Kräften korrigieren lassen wird. Zwei der Verbände haben inzwischen geantwortet und erklärt, sie wären in der Sache (Kormoran-Prädation) nicht zuständig und auf die Einschätzung Dritter angewiesen. Die Verantwortung liegt also alleine im Ministerium.

Die vielen ehrenamtlich Engagierten unter uns, die sich demnächst wieder bei den Gewässerbaumaßnahmen im Detail vor Ort einbringen, ihre Freizeit opfern, sollten an dieser Stelle aufmerken, dieses böse Spiel nicht länger hinnehmen und dies auch bei jeder Gelegenheit deutlich kundtun. Es ist doch völlig klar, dass sich ohne Anerkennung der dramatischen Kormoran-Fraßschäden und ohne wirksame Gegenmaßnahmen, weder die Fischbestände noch der ökologische Zustand der Gewässer erholen werden, dass alle Hoffnung, alle Mühe vergebens sind! Was für ein Schaden für die Natur, für unsere Angelfreuden, welche Geldverschwendung.

In Zeitungsartikeln, zum Beispiel am 12. April 2016 im Kölner Stadt-Anzeiger, wurde wiederholt aus der Ökologischen Rheinstation der Universität Köln berichtet. Immer beklagte man dabei auch den schlechten ökologischen Zustand des Rheins sowie die Unmengen an diversen Neozooen, etwa der Schwarzmeergrundeln. In keinem Fall wurde jedoch die Kormoran-Prädation, die auch den Rhein ganz besonders stark betroffen hat, erwähnt. Der FcK schrieb daraufhin die verantwortlichen Wissenschaftler der Universität Köln an und frug, ausgesprochen vorsichtig formuliert, nach deren Einschätzung des Zusammenhangs Kormoran – Zustand des Rheins. Auch um eine Abschätzung des Mengengerüstes (Anzahl Vögel, gefressene Fischmasse/Jahr), von dem auszugehen ist, wurde gebeten. Leider erhielt der FcK nach einem kurzen Schriftwechsel, den die Herren der Universität Köln übrigens nicht veröffentlicht sehen wollen, bisher nicht eine auf die Sache bezogene Antwort auf seine Fragen.

Es ist leider keine Vermutung sondern ziemlich sicher, dass der heutige bedauernswerte Zustand des Rheins, zumindest zu einem nennenswerten Prozentsatz, durch das auf dieser Web-Seite immer wieder dokumentierte unverantwortliche, durch nichts gerechtfertigte Verhalten der Naturschutzverwaltungen zurückzuführen ist. Schlimmer noch steht zu befürchten, dass diese Wirkfaktoren von universitären Wissenschaftlern bei ihren Untersuchungen als Tabu schlicht außen vor gelassen werden. Was für eine Schande, was für ein Schaden, was für ein weiterer Skandal schlummert da im Verborgenen! Außer dem FcK scheint bisher aber niemand bereit, dies zu hinterfragen.

Mit Rücksicht auf die Forderung eines Verzichts der Veröffentlichung, stellen wir hier zunächst nur ein weiteres Schreiben des FcK an die Universität Köln zum Download bereit und auch keines der Antwortschreiben.

Machen Sie sich die Mühe, lesen Sie die bereitstehenden Dokumente, bilden Sie sich eine eigene Meinung, es lohnt sich.

In dieser Korrespondenz geht es u.a. auch wieder um das Scheitern der Wiederansiedlung des Rheinlachses durch Kormoran-Prädation. Hinter vorgehaltener Hand wird ja längst der dramatische Schwund abwandernder silberblanker Smolts und die systematisch fehlenden Veröffentlichungen von belastbaren Untersuchungsergebnissen zu dieser Problematik diskutiert. Eine Bewertung durch unabhängige universitäre Wissenschaftler wäre da ein wichtiger Beitrag.

Der FcK wurde zufällig aufmerksam auf die Veröffentlichung „Neue Erkenntnisse zu Parasitosen, Krankheiten und Prädation des atlantischen Lachses (Salmo salar) innerhalb der Wiederansiedlung in Nordrhein-Westfalen“, erschienen im Band der Tagung „Fischgesundheit und Fischerei im Wandel der Zeit“ (Starnberg, Okt. 2014). Die Autoren sind Daniel Fey, Gerhard Feldhaus, Dieter Mock, Gerd Stolf, Michael Holtegel und Franz-Josef Stürenberg. Immerhin sprechen die Verfasser hier die Funde von Transpondern, die Junglachsen vor dem Auswildern eingesetzt und später bei Nachsuchen unter Kormoran-Schlafbäumen gefunden wurden, an. Leider wird dies weder näher erläutert noch quantifiziert. Auch das „Verstecken“ der dramatischen Kormoran-Prädation zwischen anderen, eher marginalen Einflussfaktoren ist eine wohlbekannte Strategie. Es scheint doch noch ein weiter Weg, vor allem begangen durch unseren FcK, den Fischereibiologen des Landes den Rücken zu stärken und ihnen wieder ein sauberes wissenschaftliches und zielführendes Arbeiten mit klaren Aussagen zu ermöglichen! Dennoch kann wohlwollend vermerkt werden, dass der Zusammenhang Kormoran-Smoltverluste in Nordrhein-Westfalen zumindest endlich einmal offiziell angesprochen wurde. Wir verzichten hier aus Urheberrechtsgründen auf die Einrichtung eines Downloads, man wird das Papier gewiss bei den Fischereibiologen in Albaum beziehen können, siehe etwa http://fischinfo.naturschutzinformationen.nrw.de/fischinfo/de/kontakt

In Sachen Lachs wirft der FcK ausnahmsweise einmal einen Blick über die Grenzen Nordrhein-Westfalens:

Dänemark zeigt, wie die Wiederansiedlung des atlantischen Lachses binnen weniger Jahre nach der Installation eines wirksamen Kormoran-Managements gelingt. Mit Hochachtung für die Arbeit dort lesen wir eine Erfolgsmeldung nach der anderen, siehe etwa die Elektro-Befischung zur Beschaffung von Laichfischen (https://www.youtube.com/watch?v=EipwlPFLkZ8), bis hin zur längst erlaubten Angelfischerei; voller Zorn gleicht man das mit der Situation am Rhein und seinen Zuflüssen ab, die verschwendeten Ressourcen, all die vertanen Jahre, die vielen engagierten Kräfte, die hier schon seit Jahren wie der Bär am Nasenring…

In Dänemark wird übrigens auch der Kormoran-Einfluss auf andere Fischarten (u.a. die Äsche) unvoreingenommen untersucht und in Handlungsanweisungen für eine Balance zwischen Fisch- und Vogelschutz umgesetzt.

In Niedersachsen hat die rot-grüne Landesregierung – trotz den auch dort klar erkennbaren massiven ideologischen Einflüssen – die bestehende, durchaus praktikable Kormoran-Verordnung bis Ende 2019 verlängert.

Auch in Thüringen, rot-rot-grün regiert, gilt seit Oktober 2016 eine praktikable Kormoran-Verordnung. Im Gegensatz zu NRW sind hier wohl ausschließlich im Winter umherstreifende Schwärme problematisch. Wegen der Schwarmgröße sind jedoch auch in Thüringen die Verluste an den befallenen Gewässern, Flüssen wie in der Teichwirtschaft, enorm.

 

Frühjahr 2016

Der Kreisfischereiberater im Rhein-Sieg-Kreis, der sich intensiv mit dem Kormoran-Problem auseinander setzt und die immense Bedeutung erkannt hat, richtet einen nachvollziehbaren, der dramatischen Situation angemessenen Forderungskatalog an die Bezirksregierung Köln, und dies im Namen alles Kreisfischereiberater dieses Regierungsbezirks. Kopien seines Forderungskatalogs wurden breit verteilt. Die Tabuisierung des K-Problems ist vorbei! Es wird in aller Deutlichkeit aufgezeigt, wie, in jeder Hinsicht, unzulänglich der „Äschenhilfserlass“ aus dem Frühjahr 2014 ist. Eine Reaktion der Landesverwaltungen auf diese nunmehr grundlegend veränderte Aktenlage ist bislang nicht bekannt geworden.

Wie sieht es an der Sülz aus, wo Kormorane auf etwa 10km im Winter wieder systematisch letal vergrämt worden waren? Sowohl das „Äschenmonitoring“ des Rheinischen Fischereiverbands am 9./10. März als auch die häufigen Beobachtungen von anfliegenden oder jagenden Kormoranen zeigen, dass nach der sehr erfolgreichen Fischschutzjagd im Winter 2015/2016 binnen weniger Wochen erneut alles zunichte gemacht wurde. Die Berichte über den Winter 2014/2015 und das Frühjahr 2015 wurden 1:1 bestätigt. Es sollte hier Erwähnung finden, dass sich eine systematische Buchführung über die Kormoran Einflüge ab etwa März erneut erübrigte: Alleine schon die zufälligen Beobachtungen diverser Zeugen bestätigen das längst bekannte Bild, lassen nicht den geringsten Zweifel zu. Hierüber und auch über die periodisch schwankenden Zahlen an hier fressenden Kormoranen – ganz offensichtlich hoch korreliert mit den Fischbesatz-Maßnahmen der Fischereigenossenschaft oder von Artenschützern – ist den verantwortlichen Stellen des Rhein-Sieg-Kreises und des Rheinisch-Bergischen Kreises detailliert berichtet worden. Diese Meldungen gingen übrigens in Kopie auch an den Vorstand des Bergischen Naturschutzvereins e.V. sowie an die Leitung der Biostation in Rösrath. Jeder hätte bequem selbst in den frühen Morgenstunden nachschauen und Vögel zählen können! Der vor Jahren renaturierte Sülzabschnitt (Bereich Krewelshof) machte hier selbstverständlich keine Ausnahme.

Für die Sülzstrecke im Rhein-Sieg-Kreis wurde im Folgenden die ganzjährige letale Vergrämung von Kormoranen beantragt: Endlich auch in NRW, vermutlich hier überhaupt zum ersten Mal. Unser Verein schaut genau hin, was sich daraus entwickelt.

Termingerecht berichtete NRW an die NASCO (North Atlantic Salmon Conservation Organization) über seine intensiven Anstrengungen zur Wiederansiedlung des Rheinlachses; aber: Die von dieser wichtigen Organisation explizit an NRW gestellte Frage zur Kormoran-Prädation abwandernder Smolts und zu entsprechenden Gegenmaßnahmen bleibt schlichtweg unbeantwortet! Auch unser Appell vom 2. Feb. hatte nichts genutzt! Es ist wird wieder einmal belegt, wie unangemessen, unerhört und dreist die NRW-Landesregierung sich über Expertenwissen hinwegsetzt, ganz ohne Rücksicht auf die schwerwiegenden fatalen Folgen. Der FcK schreibt die Lenkungsgruppe Wanderfischprogramm mit klaren, harten mahnenden Worten erneut an und verteilt dieses Schreiben an die vielen mitwirkenden Stellen, die sich auf hunderten Flusskilometern im Rheinsystem von der Schweiz bis zu den Niederlanden und in vier deutschen Bundesländern mit Enthusiasmus und großen finanziellen Anstrengungen seit mehr als zwei Jahrzehnten um den Durchbruch bei der Wiederansiedlung bemühen und regelrecht betrogen und belogen werden. Dieses Schreiben ging in der englischen Fassung u.a. auch an das Sekretariat der NASCO. Hier liegen die deutsche und die englische Fassung an .

Zugleich geht auch der Lachsverein, www.lachsverein.de, dieses Schlüsselproblem zum Erfolg und die völlig unverantwortliche und unangemessene Blockadehaltung des NRW-Umweltministeriums beherzt, offen, qualifiziert und zielgerichtet an: Die für das Rhein-System zuständigen Minister werden angeschrieben , eine einschlägige Pressemitteilung wird herausgegeben; zudem lässt sich der Verein bei der NASCO akkreditieren und kann so selbst erstmals einen Teilnehmer zu den Tagungen entsenden.

In der regionalen Presse erscheinen gleich mehrere Berichte über aufwendige und teure Baumaßnahmen zu Habitats-Verbesserung an Fließgewässern. In einem Artikel in der Oberbergischen Volkszeitung zu einer neun Millionenschweren Maßnahme an der Bröhl stand zu lesen: „Die Wiederansiedlung des Lachses steht im Fokus des Landesinteresses NRW“. Ein Photo der Spitzenbeamten des Aggerverbands und Dr. Viktor Mertsch als Vertreter des Umweltministeriums war abgedruckt. FcK schreibt darauf den Aggerverband-Vorstand an , erinnert an die Informationen, die alle Wasserverbände NRWs bereits am 30. Juli 2014 von uns über den Kormoran-Skandal erhalten hatten und unterrichtet den Aggerverband mit einem Paket an Dokumenten über den aktuellen Stand. Insbesondere erhielt Prof. Scheurer das aktuelle Schreiben des FcK zur NASCO-Tagung, den Forderungskatalog der Kreisfischereiberater in seinem Regierungsbezirk und auch das Schreiben der Fischereiverbände NRWs vom 1. August 2013 (s.o.). Die Entscheider der Wasserverbände machen sich mitschuldig, wenn Sie Steuergelder in diesen Höhen ohne pflichtbewusste Risikoprüfung, nein sogar durch bewusste Missachtung wohlbekannter Erfolgsrisiken für ihre Projekte verausgaben.